Mythos: mittelalter weißer Mann

Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen sind rein zufällig! … und nun los:

Wir! haben ihn gefunden! Endlich!

Wir haben einen Begriff, der uns endlich die Welt ein wenig erklärbarer und leichter erträglich macht, und dazu noch die dazugehörigen Träger in drölfzigfacher Ausführung, gefunden!

Nachdem Rebekka Solnit vor einer gefühlten Ewigkeit in ihrem Buch „Men explains Things to me“ das sogenannte „mansplaining“ erschuf und damit damals wie heute auf wache Augen und Ohren traf, haben wir einen Schuldigen auserkoren und nun muss er halt herhalten: der mittelalte, weiße Mann.

Der mit seiner sonoren Stimme „DAS haben wir doch immer so gemacht!“ und/oder „Selber schuld! Wenn die/der nicht richtig verhandeln kann!“ und/oder „wenn du die Lebensmittel in den Kühlschrank stellst, dann bleiben die länger haltbar.“ und weitere wirklich gewinnbringende Sachen sagt.

Der eine 465%ig höhere „Chance“ hat vom Blitz getroffen zu werden.

Der, wenn er Thomas heißt, natürlich auch einen Thomas als Kollegen haben möchte… oder zur Not auch einen Andreas oder Wolfgang… aber bitte keine Sabine!

Und nun stehen sie da – alle Sabine´s und die, die auch nicht Thomas, Andreas oder Wolfgang heißen. Oder, die, die sich ärgern, ihre Töchter nicht Thomas genannt zu haben (Anspielung auf einen Witz von Hazel Brugger). Oder die, die morgens mit einem Blick auf den Herd entdecken, dass die teuren Lebensmittel über Nacht doch keine Spezialkühlung erhielten.

Was nun? Natürlich können wir uns nun auf die Schenkel klopfen und froh sein, vielleicht und zum Glück doch nicht Thomas zu heißen, den Topf in den Kühlschrank stellen und frohen Mutes in den Tag starten… oder darauf warten, dass der Topf dank mittelalter weißer Hände in den Kühlschrank wandert – haha! mitnichten!

Oooooder: jetzt mal ganz vermessen – differenzieren und einsehen, dass diese gewollte Abgrenzung genau das Gegenteil dessen bewirkt, was sich intersektionale Feminist*innen auf die Fahne geschrieben haben. Wir möchten doch alle Menschen einbinden, um multiple Ungleichheits- und Unterdrückungsverhältnisse zu vermeiden und am Ende zu beseitigen.

Denn, sind wir mal ehrlich, jede/r von uns kennt einen sichtbar nach außen tretenden mittelalten, weißen Mann, der diese Definition schlichtweg nicht verdient hat. Weil er sich jeden Tag wie jede/r andere auch, nach Kräften darum bemüht, seine Umwelt und die seiner Mitmenschen zu einem liebenswürdigen Platz zu machen. Der jedes Mal, wenn diese Begrifflichkeit fällt, innerlich zusammenzuckt und dann in schwere Erklärungsnöte gerät, obwohl das gar nicht notwendig ist. Und: nun ganz wichtig  der nicht davor zurückschreckt, den Topf in den Kühlschrank zu stellen. Ohne hinterher prophetisch zu verkünden: OOHHHH, schau mal! Was ICH gemacht habe!!“.

Und auch wenn dieses Phänomen noch recht selten auftritt und lokal manchmal recht schwer auszumachen ist, es gibt sie!

Warum also grenzen wir die Menschen aus, deren Unterstützung wir eigentlich (dringend) benötigen?! Warum initiieren wir immer mal wieder unnötige Diskussionen und verlieren uns am Ende in Rechtfertigungen, anstatt die Hand zu reichen?!

Weil… es ist ja so einfach – sie sind ja quasi immer da und stehen uns im Weg rum – an der Ampel, im Job, sonstwo…

Und dann sagen wir zu ihnen: ja, Thomas – ich find´s toll, was du bisher geschafft hast. Und ja, Andreas – ich kann verstehen, dass du das gerne für immer und ewig in diesem Zustand behalten möchtest. ABER wäre es nicht noch viel, viel toller, wenn Du andere daran teilhaben lassen würdest?! Es passiert doch nichts. Außer, dass es am Ende noch geiler wird!

Vielleicht hilft´s ja!

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