Na, haste wieder Deine Tage?!

Ich wage mal eine mutige These, aber fast jedes weiblich gelesene Wesen hat diesen Spruch doch schon mal gehört, oder?! Und fast jedes männlich und (auch weiblich) gelesene Wesen hat das entweder schon mal laut ausgesprochen oder wenigstens gedacht.

Was heißt das eigentlich? Was zur Hölle soll das aussagen?

Und was macht das mit uns?

Ich werde mich jetzt allerdings nicht über die besonderen Tage von Menschen mit einer Gebärmutter auslassen – da gibt‘s so viel zu erzählen. Angefangen von den Preisen von Menstruationsprodukten, bis hin zum Umgang mit uns Menschen, wenn es uns den Unterleib auseinander reisst…

Nee, ich will über Emotionen reden.

Ich bin hochsensibel. Oh Gott! Auch das noch!

Das ist auch der ganze Grund, warum ich ausgerechnet an einen Narzissten geraten bin, über den in meinem anderen Text schrieb. (An dieser Stelle ganz ganz lieben Dank für die vielen positiven Resonanzen und liebevollen Bekundungen von mir sogar fremden Menschen.)

Stell Dir mal vor, Du wächst auf und irgendwas ist anders.

Du spürst mehr und anders. Du weißt manchmal schon vorher, was ein Mensch euch sagen möchte. Du erkennst Emotionen und versuchst diese einzuordnen.

Du schaut nichtsahnend mit Freunden einen Film und weißt gar nicht, wohin mit Dir, wenn sich ein Liebespaar zu einem Knäuel verschlungen in den Armen liegt. Du hast das Gefühl, Du müsstet sofort den Raum verlassen, wenn sich etwas „anbahnt“, das Du zwar schon ahnst, aber noch nicht direkt erkennbar ist.

Du suchst in Deiner Ausdrucksweise, die teilweise sehr expressiv wirken kann, einen Weg zur Erkenntnis.

Du meidest Menschenmengen, wenn Du darauf nicht vorbereitet bist.

Du denkst viel über Grenzen nach.

Laute Gespräche worüber auch immer, laut Geräusche machen Angst. Vermeintlich „schlechte“ Wesensarten machen Angst und fühlen sich an wie Gewalt gegen Dich.

Du siehst Bilder aus dem Leben von Menschen vor Deinem inneren Auge, wenn sie Dich berühren. Oder Farben, wo eigentlich keine sind.

Du könntest sofort anfangen zu heulen, wenn die Sonne auf reife Kirschen scheint oder Dein Haar im Wind weht.

Ich könnte noch ewig weiter erzählen…

Aber Du bist noch jung. Du bist ja selber mit dem, was da alles auf Dich einprasselt komplett überfordert. Du suchst nach Antworten und findet sie nicht. Du suchst Kontakt zu familiär verbundenen Menschen und dann stellst Du vielleicht die falschen Fragen. Und so bekommst Du auch die falschen Antworten. Nee, falsch nicht… Mir fehlen jetzt komischerweise die richtigen Worte für die Beschreibung, ohne meinen Eltern weh zu tun. Also, falsch nicht. Aber nicht befriedigend genug. Und so lebst Du dann weiter – weil muss ja, ne.

Das erste Mal habe ich mich mit meiner Hochsensibilität auseinander gesetzt, als ich mit meinem Sohn schwanger war. Da war da ein Mensch in mir drin – allein das war für mich so furchterregend, weil ich ja die Einzige bin, die vollumfänglich für das Wohlergehen eines Wesens verantwortlich ist. Und ich spürte ihn. Und das war schön. Aber ich war so froh, als er dann „auf der Welt“ war, also raus aus mir. Von nun an spürte ich seine Bedürfnisse weiter und habe mich immer gemessen an dem, was er will, verhalten. Einfach so. Versteht mich nicht falsch – jede Mutter tut das oder sollte es zumindest. Ich habe das nur anders in Erinnerung. Jeden Abend machte ich eine Wärmflasche und wärmte sein Bettchen vor – er wollte das so und kuschelte sich wohlig rein. Richtig geweint hat der kleine Kerl das erste Mal mit ca. 3 Monaten, weil ich eine Heidenangst vor unserem ersten Urlaub auf einem Hausboot hatte.

Gut, wir können diese kleine Begebenheit auch anders interpretieren – aber für mich ist die Beschreibung so selbstverständlich, dass ich gar nicht auf eine andere Idee komme.

Mein Sohn ist mittlerweile fast 8 Jahre alt und hochsensibel. Wir kommunizieren anders miteinander – teilweise telepathisch. Er war und ist meine Aufgabe mit unserer besonderen Begabung zu leben. Vor allem möchte ich es schaffen ihm zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Antworten zu geben.

Ich bin nicht besonders. Ich bin auch nur Eine von Vielen, die viel spüren. Bei meiner Recherche bin ich auf einen sehr einprägsamen Satz gestoßen: jeder Mensch ist von Grund auf hochsensibel. Die Meisten (in Zahlen 85%) haben es nur „vergessen“ oder sind entsprechend sozialisiert. Wie auch immer die noch sehr junge und bei weitem nicht ausgereifte Wissenschaft zur Hochsensibilität auf die Zahl 15% kommt, kann ich kaum nachvollziehen. 15% unter uns sind hochsensibel. Das bedeutet für uns, dass wir mindestens einmal im Leben auf einen Menschen treffen, der mehr spürt. Jungen haben es damit lt. Wissenschaft schwerer. Das wird an den geprägten Stereotypen liegen. Auch aus diesem Grund kämpfe ich für eine Gesellschaft, in der einfach alle Menschen egal wie gelesen ihre besonderen Wesensarten leben können.

Tut mir einen Gefallen, gebt hochsensiblen Menschen das Gefühl einfach nur „Richtig“ zu sein. Versucht eine Antwort zu sein. Seid mutig.

Macht euch nicht drüber lustig. Akzeptiert einfach das, was da kommt. Das kann zu viel für euch sein, das kann irgendwie komisch wirken – aber lasst uns mal machen und werdet sensibler, wenn euch patriarchal geprägte Stereotypen um die Ohren fliegen.

Wir spüren so viel. Wir geben euch gemessen an dem, was wir spüren eine Resonanz, mit der ihr euch wohl fühlt. Wir geben euch aber eine Resonanz, wenn wir uns nicht ernst nehmt. Und das tut weh – auf beiden Seiten. Und das muss doch nicht sein.

Ich danke euch von Herzen!

* Über das große Thema Hochsensibilität könnt ihr euch online mittlerweile so unfassbar viel anlesen. Ihr könnt Tests machen – obwohl jeder halbwegs intelligente Mensch diesen Test so für sich auslegen kann, dass automatisch eine Hochsensibilität am Ende als Ergebnis da steht.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s