Dann hau doch ab!

Meine persönliche „Familien“-Situation sieht derzeit wie folgt aus: alle 2 Wochen packe ich meine Klamotten und das ersichtlich Wichtigste in einen Rucksack und schleppe es ca. 8 km durch die Stadt mit dem Rad aus meiner eigenen kleinen Lieblings-Wohnung in die Bleibe, in der die Kinder leben – zusammen mit dem Vater. Der hat dieses „Privileg“ der eigenen 4 Wände aus selbst gewählten Gründen nicht. Er warf mich aus unserer sog. ehemaligen und wirklich großen Ehewohnung, ohne wirklich zu wissen, was das eigentlich bedeutet. Gut, das lernt er ja jetzt. Bei jedem Einwand in irgendeiner Form meinerseits, darf ich mir: dann hau doch ab! anhören. Und das jeden Tag auf‘s Neue. Und gerade in diesen ganz besonderen, herausfordernden Zeiten recht schmerzlich oft. Es knallt, soll das heißen. Dann soll ich abhauen – seine heiligen 4-Wände verlassen.

Auf der einen Seite versteh ich das. Niemand möchte einen Menschen, von dem man sich mühselig versucht physisch und psychisch zu trennen, permanent um sich haben.

Nun bin ich aber trotzdem in der Kinderwohnung (es ist Mama-Woche) und er hat zwangsmäßig Corona-„Home-Office“. Das bedeutet für mich, dass ich mir einen ganzen Haufen kompletten Schwachsinn an sinnentleerten IT-Phrasen in schlechtem Business-Englisch anhören darf, während ich mich frage, warum Thorsten/Michael und/oder Thomas so viel Zeit haben über gesellschaftlich gesehen unbedeutendes Geschwurbel zu sinnieren und sich dabei noch unglaublich unverzichtbar zu fühlen.

Während die Kinder versuchen, das Beste aus der Situation zu machen, weil ja Mama und Papa derzeit beide da sind und zu Allem den eigenen subjektiven Senf dazu geben.

Das COVID19-Virus kehrt unser Innerstes nach außen. All unser mühselig verstecktes Mieses oder Wunderbares, was wir uns nicht trauten nach außen zu zeigen. Weil es nicht die Zeit passte oder einfach unpassend unsensibel war.

Und während der Exmann mir mit Sätzen wie: „Ich brauche aber sichere Zusagen und verlässliche Angaben“ kommt, steht die Polizei im Hof und macht den anwesenden Kindern Angst. Ja, die waren draußen – bei fast 20 Grad und Sonnenschein. Und einer Umgebung wie ein Mikrokosmos und der Sicherheit, dass man niemals eine Gefahr für Andere darstellen möchte, ist es recht schwierig, die Kids an den prognostizierten Hausarrest zu argumentieren. Eben noch in scheinbarer Freiheit, müssen sie nun rein. Für unbestimmte Zeit. Es hat sich in den besagten Minuten nichts geändert – das ist recht schwer zu erklären und Kinder reagieren wie wir Erwachsende auch mal reagieren sollten. Mit klaren Ansagen. Sie finden es komplett unverständlich und richtig scheiße. Fügen sich aber trotzdem.

Resümierend des heutigen Tages nun Folgendes:

Wir (eine weitere Mutter mit 3 Kids) und ich haben unsere Schulkinder im privaten Rahmen im Gemeinschaftsraum des Wohnhauses unterrichtet und währenddessen auf die nicht schulpflichtigen Kids aufgepasst – das alleine ist schon ein Kraftakt. Das Mittagessen wurde uns von solidarischen Nachbarinnen (!!) gekocht. So konnten wir uns auf das Wesentliche konzentrieren. Oder wie der Exmann sagt: Schule ist soo wichtig. Jeden Tag mind. 2 Stunden (diese Angabe kam von der Lehrerin), morgens ab 9 Uhr (also Ausschlafen ist nicht!!), müssen Kinder ihre Schulaufgaben erledigen. Am Stück, ohne Pause. Komme was wolle und egal, was es kostet!

Am Nachmittag haben wir entweder Musik oder Kunst gemacht. Aber da ja nun dabei mehr als 5 Kinder waren, gab es schon im Vorfeld eine Menge Ärger. Wir würden ja mit Absicht die ältere Generation des Hauses wissentlich in den Tod durch Corona treiben. Sichtlich mit Mundschutz und Desinfektionsmitteln (das müssen die über Jahre gehortet haben) bestückt, wurde sich mit bitterer Miene in unsere Nähe getraut. Nicht ohne einen Spruch mit unmenschlicher Ignoranz da zu lassen.

Ich betreute auch einen 10jährigen, der ebenfalls von der anwesenden Polizei sehr verunsichert wurde. Seitdem ich ihn kenne, liebt er die ihm immobil geschenkte Freiheit. Im Gespräch erzählte er mir von der beruflichen Situation seines Vaters. Während ich mit brennenden Händen jede Ecke des Gemeinschaftsraumes desinfizierte, erzählte eben dieser besagte Vater einer Nachbarin von seinen engen beruflichen Kontakten, nachdem er frisch aus der U-Bahn entstieg.

Ja klar, aber der klägliche Rest mit Betreuungshintergrund, der sich bemüht so wenig Kontakt nach außen zu pflegen – Unterstützung zu Freundinnen absagt – auf notwendige Einkäufe verzichtet und Lebensmittelimprovisation betreibt – ist dann der Todesengel.

Dieses Virus treibt unseres Inneres nach Außen – unsere unsäglich unerträgliche Scheinheiligkeit, die sich wie ein Geschwür in die Tiefen unserer gesellschaftlichen Ordnung gegraben hat.

Dabei gibt es kein Richtig und kein Falsch mehr. In einer engen Gemeinschaft – auch in einer Großstadt ist sowas möglich- werden bestimmte soziale Gegebenheiten schneller ersichtlich und diese Erkenntnis tut eher weh – weil es emotionaler aufgefasst wird. In Arbeit aufgehen und bis zur Besinnungslosigkeit Klopapier und Nudeln einkaufen, hat offensichtlich mehr Wert als sich intensiv um eine Mitmenschen zu kümmern. Wohl wissend, in welchem gesundheitlichen Zustand man sich selbst und das Gegenüber befindet.

Und nun meine erneute Frage: was genau ist denn eigentlich mit uns nicht in Ordnung???

Wann ist der Zeitpunkt für einen strukturellen Veränderungswunsch? Oder wenigstens minimal die Erkenntnis, dass der Spruch „Das haben wir immer schon so gemacht.“ einfach verflucht noch mal nicht mehr zeitgemäß ist. Ob er das jemals gewesen ist, stelle ich zudem in den Raum.

Da kommt nun schon ein medial überverargumentiertes und humangedacht totbringendes Virus und trotzdem bringt das alles nix. Weil es immer noch viel zu viele Hohlköpfe mit Stumpfsinn und scheinbarem Rückgrat (was ja auch nur der Stock im Hintern ist) existieren.

Lasst uns im Kleinen bei uns anfangen und Änderungen anstreben – mit Mut und Menschlichkeit. So schaffen wir gemeinsam mehr Wert für Alle.

In einem Jahr sind wir dann schlauer und werden hoffentlich mit einem Lächeln im Gesicht daran zurückdenken, wann der Zeitpunkt gekommen war, an dem sich alles zum Guten wendete.

Ich bin dafür!

Aber Du blödes Virus – hau doch einfach ab!!!

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