Es war einmal… 2 Herren am Tisch

Es waren einmal 2 Herren, die durch einen (un)glücklichen Zufall zusammengefunden haben. Und nun leben sie zusammen. In einer 4-Zimmer-Wohnung im Grünen mitten in der teuersten Gegend Münchens. Mit 3 Kindern…

… und in turnusmäßigen Abständen kommt da die Mutter der Kinder vorbei und putzt. Erstmal. Damit die Spuren von nicht definierbaren Lebensmitteln in langen Linien an Schrankwänden nicht für die Ewigkeit nachvollziehbar sind. Damit es nicht so klebt und mieft. Vom Zustand im Kühlschrank möchte besagte Mutter nicht anfangen. (Aber wenn es wärmer da drin wäre, würde sich eine ganz neue Spezies entwickeln und die Kinder könnte der sprechen beibringen. Und all die tollen Ausdrücke, die sie aus ihren Lieblingsliedern kennen – Arschloch zum Beispiel.)

An manchen Tagen fragt sie sich, ob sich das Corona-Virus nicht aus dieser Bude empor gehoben hätte, wenn in „normalen“ Zeiten nicht alle 2 Wochen eine gute Fee dorthin finden würde und wenigstens oberflächlich den Dreck wegzaubert – den Rest erledigt dann die Urheberin der wohnenden Kinder.

Der eine Herr kommt aus einem fernen Land und ist scheinbar „gestrandet“ ohne Feuer zu machen – anders ist das nicht zu erklären. Die Frage: Was zur Hölle macht der hier? erübrigt sich in Anbetracht des kleinen Alltagsrassismus, dem sich bitte niemals hingegeben sein sollte.

Er ist halt einfach da.

Der andere Herr ist der Vater der 3 Kinder. Der, direkt nach dem Aufstehen, auf dem Weg zum Klo den Kindern zuruft: Anziehen! Frühstücken! Während die Nachkommenschaft mit allen Sinnen ins Fernsehprogramm vertieft ist und es gar nicht hört. Oder auch nicht hören will – immerhin ist das ja interessanter als Anziehen und Frühstücken. Weil… ja, was denn eigentlich?! Wer bist Du? Wo finde ich was?

Und die Beantwortung dieser Fragen stellt ja schon Erwachsene oftmals vor immense Herausforderungen.

Diese beiden Herren sitzen dann – sofern beide ihr frühmorgendliches individuelles Programm abgespielt haben – gemeinsam am Tisch. Es stehen dann die immer gleichen Dinge darauf, die im immer gleichen Rhythmus zubereitet wurden. Abends ist das auch so. Der Unterschied besteht nur darin, dass bei dem einen Herren dann oft das digitale Endgerät nebendran fehlt.

Vor dem abendlichen Ritual steht der eine Herr aus dem fernen Land in der Küche am Herd an seinen Töpfen und starrt da rein. Stundenlang. Zwischendrin wirft er mal was Grünes, mal was Kohlenhydrathaltiges in besagte Behältnisse. In diesen befinden sich nach einiger Zeit allerlei gutschmeckende und als gesund deklarierte Lebensmittel, die ihren Duft in der Wohnung ausbreiten, sodass im Kinderzimmer neben viel zu wenig Luft zum Atmen eben diese gutschmeckende Verführung ist.

Dumm nur, dass die Kinder vor dem Schlafengehen lieber atmen als das gesunde Zeug essen möchten.

Das gesunde Zeug wird nach dem Garen & Drapieren in diverse Schüsseln verteilt und durch 2 geteilt. Während der eine Herr sein sorgsam zubereitetes Mahl innig genießt, verteilt der andere Herr seine unendlichen Weisheiten der IT-Welt in teilweisem Denglisch. Der eine Herr versteht nämlich Englisch besser und manchmal stößt halt Jeder an seine Grenzen.

Und so vergehen die Tage, Wochen und Monate und wenn sie nicht gestorben sind…

… dann kocht der eine Herr immer noch. Während die Kinder darauf warten, dass eins davon endlich ein eigenes Zimmer bekommt.

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