Noooormal, ne….

Nicht selten hören wir in der letzten Zeit… ach ja, wenn‘s dann wieder normal ist, dann …

Ja, was dann?!

Und was ist normal?

Können wir denn tatsächlich behaupten, dass die Zeit vor Corona (und ja, ich übernehme jetzt einfach mal den Sprech der Mainstreammedien) normal gewesen ist?!

Dieser Turbokapitalismus, der uns in unserem Alltag ständig begleitete, macht ja auch jetzt keinen Halt für Menschen, die ihre „freie“ Zeit zur Selbstoptimierung nutzen. Und mal ehrlich, wenn ich noch einmal lese/höre/rieche/schmecke/etc, dass jemensch einen Online-Kochkurs zu den neusten „Wie koche ich die Nudeln am besten?“ – Antworten belegt hat oder trotz fehlender Hefe und Mehl Brotbacktrends mit der ach so unwissenden und materialarmen Bevölkerung teilt, fließend Mandarin spricht und sich beim Yoga soooo entspannt fühlt, die/den hau ich!! Erst virtuell und dann aber so richtig – wenn wieder alles normal ist.

Diese „freie“ Zeit ist doch nicht dazu gedacht – finde ich!

Warum sind wir gefühlt nicht in der Lage einfach mal in Jogginghose auf dem Sofa zu hocken und Sinnentleertes in der Glotze zu gucken? Über Stunden.

Oder Schlafdefizite nachholen?

Oder sich mal Gedanken darüber machen, wer man so ist – als wertvolles Selbst. (ach ja, da war ja der Turbokapitalismus, der uns über viele Jahre hinweg beigebracht hat, dass es ja kein wertvolles Selbst gibt)

Oder Freund*innen anzurufen und mit ihnen über etwas Sinnieren, worüber noch niemals gemeinsam gesprochen wurde? Das wäre ja machbar, denn die Freund*innen sind ja auch zu Hause. Wenn sie nicht grillen an der Isar sind… was ich nicht hoffe.

Apropos zu Hause:

Wenn man es schon nicht ertragen kann, in seinen eigens gestalteten vier Wänden Zeit mit sich selbst zu verbringen, dann seh ich schwarz für die Zeit nach Corona.

Ich bin ehrlich: Ich will überhaupt nicht, dass diese vorherig gelebte Normalität zurückkommt.

Ich will, dass sich endlich was ändert.

Wir stehen vor soooo gewaltigen Herausforderungen, die es nun gilt anzugehen. Wenn schon nicht direkt aktivistisch, dann doch wenigstens mit Verständnis.

Und gerade jetzt werden endlich Stimmen hörbar lauter, die das ebenfalls so sehen. Stichwort: Systemrelevanz – für mich jetzt schon das Unwort des Jahres.

Und auch, wenn das nun ein profanes Beispiel ist:

Ich habe ein Lieblingsrestaurant bei mir um die Ecke, das Myra. Und ich war sehr traurig, zu wissen, dass ich auf unbestimmte Zeit auf meine heiß geliebte kalte und warme Vorspeisenplatte verzichten muss. Gut, mein Geldbeutel hat nix dagegen. Nun wird nach vielen Nachfragen von Menschen, die das auch so sehen wie ich, entweder geliefert oder rabbatiert gegen Abholung mit diesen Köstlichkeiten versorgt. Ich find‘s phantastisch.

Und wenn, ja wenn, alles wieder normal ist, möchte ich gerne bitte, dass das auch so beibehalten bleibt. Denn – ich unke nun mal ins Blaue – wir werden 2020 keine großen Reisen in die weite Welt unternehmen können. Und in der Folge hocken wir in den Großstädten alle aufeinander. Die eh schon übervollen Hotspots werden noch denen, die „normalerweise“ weg wären, zusätzlich bevölkert.

Ich erinnere mich an einen kleinen Vorfall bei einem Spaziergang an der Isar kürzlich, bei dem ich von einer gestressten Radfahrerin blöde angeblökt wurde, doch gefälligst aus dem Weg zu gehen. Sprich: die latente Aggression der Menschen ist in Städten mit einer Vielzahl an Menschen pro Fläche eh schon groß und das wird nicht besser, wenn‘s wieder normal ist.

Also… wer möchte gerne Normalität?

Wer möchte auf diese wunderbaren Onlinekonzerte verzichten?

Wer möchte wieder in einer Masse von schwitzenden Betrunkenen emotional tanzen, wenn‘s daheim im Wohnzimmer auch möglich ist? (Muss ja nicht immer sein…)

Wer möchte sich im Supermarkt wieder in den Nacken atmen lassen?

Wer möchte wieder den Stress haben, ständig unnütze Dinge zu konsumieren? (Habt ihr mal euren Kleiderschrank aufgeräumt??)

Wer möchte sich wieder als weiblich gelesene Person ungefragt hinterher pfeifen oder anpacken lassen?

Hand hoch

… ich seh keine.

Gut!

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