Hänsel und Gretel – reloaded

Es waren einmal 2 Kinder, ein männlich gelesenes Kind namens Hänsel und ein weiblich gelesenes Kind namens Gretel. Die Zuschreibungen der Beiden beruhen lediglich auf dem Kleidungsstil und der äußerlichen Erscheinungsform. Hänsel trägt gerne Hosen und ein gestreiftes Hemd darüber und Gretel hat lange blonde Zöpfe mit roten Schleifen, die so wunderbar zu ihren Kleidern passen.

Die Beiden leben mit ihrem Vater und seiner neuen Frau zusammen in einer Hütte im Wald. Der Vater hat das alleinige Sorgerecht nach einem langem Rechtsstreit durchgesetzt, da er nachweislich gerichtlich festgestellt der Einzige ist, der die finanziellen Unkosten des Heimes im Wald tragen kann. Nach einer Odyssee im Online-Dating hat er endlich eine neue Frau für sich gefunden, da er sich nur bedingt in der Lage sah die Versorgung der Kinder sicher zu stellen. Es ist sicherlich verständlich, dass es viele gescheitere Versuche bedurfte, da ein Mann mit Kindern nicht die 1. Wahl auf dem 2. Heiratsmarkt ist.

Sei‘s drum: Die neue Frau war in erster Linie geblendet vom schönen, ruhigen Heim mitten im Wald und die Kinder waren bei den ersten Treffen ja nicht dabei, da der Vater immer eine Nanny für die wenigen Stunden gefunden hatte. Jedoch verschwieg sie ein entscheidendes Detail ihres Lebens: geprägt durch eine sehr unschöne patriarchalisch genötigte Kindheit, sah sie sich nicht wirklich in der Lage sich adäquat um die Kinder zu kümmern. Und so füllte sie ihre innere Leere und die aufkommende Verzweiflung mit unzähligen Online-Shopping-Touren und sah sich kurzzeitig erfüllt, wenn nach und nach Lieferant*innen namhafter „Sub“Unternehmen unzählige Pakete in das Heim im Wald lieferten.

Und so kam es eines Tages, dass kein Geld mehr für Nahrungsmittel vorhanden war. Die tollen Kleidungsstücke der Frau, die entweder schon in den Schränken einsortiert oder noch in Polyethylen verpackt in Kartons zu finden waren, haben durch den Beschaffungsprozess mit den vielen schönen 1000101010101010en all das mühsam erwirtschaftete Gehalt des Vaters am Ende des Monats aufgebraucht.

Was war die Lösung? Der Vater, berauscht durch einen intensiven horizontalen Akt im ehelichen Bett, sprach der Frau Beistand zu und so kam es, dass er am nächsten Morgen die Kinder weckte und sie in den Wald führte. Was er nicht wusste, war, dass Hänsel, geweckt durch die Geräusche, die nächtliche Handlungen zwischen sexuell Aktiven verursacht wurden, wach geworden war und das darauf folgende Gespräch hellhörig mitverfolgte. So fasste er einen Plan und die mühsam gesammelten weißen Steine führten ihn und seine Schwester am nächsten Abend wohl behalten zurück in das bestehend aus mit von chinesischen Kinderhänden mühsam handgenähten Klamotten vollgefülltes Heim im Wald. Da dieser Umstand wahrlich groteske Züge annahm und der Vater in seiner Angst vor zukünftigem Alleinsein blind gegenüber jedweden sichtbaren Veränderungen am Zustand seines Heimes war, hörte er wiederum auf die liebliche Stimme seiner Angebeteten und führte die Kinder abermals in den Wald. Hänsel war auch an diesem Tage vorbereitet und nahm in Ermangelung der Zeit ein Stück wohlschmeckende Kohlenhydrate als „Rückfahrschein“ mit sich und verteilte sie auf dem langen und irrigen Weg durch den Wald. Leider bedachte er bei seinem Plan nicht, dass nicht nur Menschen sondern auch tierische Waldbewohner begierig auf diese Energielieferanten sind. Und so verlor sich die Spur inmitten des Waldes unweit eines kleines Häuschens.

Dieses Häuschen bestand – nach näherem Betrachten – gänzlich aus zucker- und kohlenhydrathaltigem Material, was den Kindern, ausgehungert nach vielen Stunden ohne Nahrungszunahme, sehr zugegen kam. Und so machten sie sich über die Fensterscheiben und Dachziegel her… stopften alles in ihren Mund und bald war da kein Hunger mehr.

Hätten sie sich mal über die seltsame Gegebenheit der Fensterscheiben und Dachziegel aus Zucker und Keks Gedanken gemacht – wann jemals begegnet denn Einem mal sowas?! Bärlauch – ja … und danach braucht es es einen Tag, um diesen Geschmack im Mund wieder aus dem Kurzzeitgedächtnis zu löschen… aber n Haus aus Zucker?!

Gut – die Kinder waren sehr hungrig und aßen sich satt. Und mit dem Sättigungsgefühl kam die Erkenntnis, dass hier was nicht stimmte. In Form einer alten, buckligen Frau, die nun mit seltsamer Stimme fragte, wer denn da an ihrem Häuschen herum nagte.

Dass das nur ein wetterbedingtes Symptom der Klimaerwärmung sei, glaubte sie eh nicht. Die bucklige Frau hielt nichts vom Klima und außerdem hatte es ja gestern erst geregnet mit einem kaltem Wind dazu und da könne ja niemand von Klimaerwärmung reden!

Nun sah sie sich in einer Zwickmühle – ihr Häuschen im Wald, gebaut aus illegal hergestelltem Material war natürlich nicht dem Ordnungs-, Gewebe- und Finanzamt gemeldet und sie befürchtete horrende Strafen. Also mussten die Kinder weg – nur wie?! Sie hatten ja nun schon zuviel gesehen und gegessen sowieso. Aber alleine die Kinder entsorgen… wie denn?!

Vor kurzem war der Frau ja auch noch die billige polnische Pflegekraft „abhanden“ gekommen, die als Einzige hätte helfen können… und nun sie sah sich zusätzlich außerstande morgens die Trombosestrümpfe, die nur der Teufel persönlich hat erfinden können, über ihre Krampfadern zu ziehen.

Aber die Kinder mussten weg … irgendwie …

Geplant, getan.

Der ehemalige Hundezwinger wurde kurzerhands Hänsels neues Heim, während Gretel für das eingeteilt wurde, wozu Frauen und Mädchen in einer modernen Gesellschaft nun mal da sind. Sie kochte, putzte und zog und zerrte jeden Morgen an den Trombosefüßen der buckligen Frau.

Gretel war hungrig immerzu und sah jeden Tag mit an, wie Hänsel mit den feinsten Dingen gefüttert wurde… der Sinn des Ganzen erschloss sich ihr erst spät. Aber nicht zu spät.

Gretel fand sich nicht ab mit ihrer Rolle des Heimchens am Herd und während des Rührens in diversen Schüsseln entsponn sie einen Plan zur Rettung ihrer Selbst, ihres Bruders und ja – auch das der buckligen Frau.

Sie wand sich an den Förster, der durch eine Vielzahl an geschossenen und danach veräußerten Wildschweinkeulen zu beträchtlichem Kapital gekommen war. Dieser hörte sich gerne Gretels Vorschläge zum Business-Plan einer eigenen Bio-Öko-Fairtraide-Plattform „Das Knusperhäuschen“ an und entschied sein Kapital einzulegen. Gretel musste sich natürlich dazu bereit erklären, einen Teil der Einnahmen an ihn abzugeben… so ist das in der sozialen Marktwirtschaft eben so üblich. Der Förster hatte eh schon lange ein Auge auf die bucklige Frau und ihre unfassbar leckeren Bio-Dinkelkekse, mit denen sogar ein Hausbau möglich ist, und die schönen handgehäkelten Fenstervorhänge und Bettvorläger geworfen. Woher der Förster die Form und Farbe der Bettvorläger so gut kannte, entschloss sich bis dato niemandem. Wahrscheinlich war er es, der nächtens durch das Fenster lugte, was der buckligen Frau bisher nur indirekt aufgefallen war.

Nun war es an Gretel die bucklige Frau über ihr Vorhaben zu informieren, immerhin war sie es doch, die einen Großteil zum Erfolg des neu gegründeten Start-Ups beizutragen hatte.

Da sich Hänsel auch nach langem Mästen in seinem Hundezwinger nicht in die Breite bewegte, war es für seine Schwester ein Leichtes die bucklige Frau davon zu überzeugen, dass es doch viel besser wäre, in die Zukunft ihrer Selbst statt in das Ableben eines Jungen zu investieren.

Und so kam es, dass Gretel zur Geschäftsführerin von „Das Knusperhäuschen“ ernannt wurde und die immer neuen ausgedachten biologisch abbaubaren (Hausbau)Produkte in die globalisierte Welt versandte. Die bucklige Frau hat aufgrund des Försters emotionaler Zustimmung ganz plötzlich die besten Ideen und beide sind nur noch zusammen auf den hiesigen Märkten der Umgebung zu sehen, denn auch in der unmittelbaren Umgebung sollten liebevolle Produkte unter die Menschen gebracht werden.

Hänsel ging nach einer gewissen und sehr geschäftigen Zeit zu seinem Vater zurück, der nun doch wieder alleine im Heim im Wald aufzufinden war. Beide führten von nun an ein ruhiges Leben mit den immer gleichen Beschäftigungen zur immer gleichen Tages- und Abendszeit.

Gretel wurde die begehrteste Junggesellin der Umgebung und konnte sich an Angeboten aus der Herrenwelt nicht retten. Da sie sich jedoch bewusst war, welchen Preis sie als Frau mit einer Heirat und womöglicher Nachkommenschaft zu zahlen hat, verzichtete sie dankend auf jedwede Angebote. Zudem braucht ein so rapide gewachsenes Start-Up die volle Aufmerksamkeit und das ist ja auch erfüllend.

Hänsel und Gretel, 1812 (Quelle: wikipedia):

Hänsel und Gretel sind die Kinder eines armen Holzfällers, der mit seiner Frau im Wald lebt. Als die Not zu groß wird, überredet sie ihren Mann, die beiden Kinder im Wald auszusetzen. Der Holzfäller führt die beiden am nächsten Tag in den Wald. Doch Hänsel hat die Eltern belauscht und legt eine Spur aus kleinen weißen Steinen, anhand derer die Kinder zurückfinden. So kommt es, dass der Plan der Mutter scheitert. Doch der zweite Versuch, die Kinder auszusetzen, gelingt: Dieses Mal haben Hänsel und Gretel nur eine Scheibe Brot dabei, die Hänsel zerbröckelt, um eine Spur zu legen. Die wird jedoch von Vögeln aufgepickt. Dadurch finden die Kinder nicht mehr nach Hause und verirren sich. Am dritten Tag stoßen die beiden auf ein Häuschen, das ganz aus Brot, Kuchen und Zucker hergestellt ist. Zunächst brechen sie Teile des Hauses ab, um ihren Hunger zu stillen. In diesem Haus lebt jedoch eine Hexe, die eine Menschenfresserin ist. Sowohl in der Urfassung der Märchen von 1812 als auch in den späteren Ausgaben bis zur „Ausgabe letzter Hand“ von 1857 ruft sie in einer Art von Lautmalerei: „Knuper, knuper, kneischen, wer knupert an meinem Häuschen?“

Die Hexe lässt sich nicht täuschen, fängt die beiden, macht Gretel zur Dienstmagd und mästet Hänsel in einem Käfig, um ihn später aufzuessen. Hänsel wendet jedoch eine List an: Um zu überprüfen, ob der Junge schon dick genug ist, befühlt die halbblinde Hexe täglich seinen Finger. Hänsel streckt ihr dabei aber jedes Mal einen kleinen Knochen entgegen. Als sie erkennt, dass der Junge anscheinend nicht fett wird, verliert sie die Geduld und will ihn sofort braten. Die Hexe befiehlt Gretel, in den Ofen zu sehen, ob dieser schon heiß sei. Gretel aber behauptet, zu klein dafür zu sein, sodass die Hexe selbst nachsehen muss. Als sie den Ofen öffnet, schiebt Gretel die böse Hexe hinein. Die Kinder nehmen Schätze aus dem Hexenhaus mit und finden den Weg zurück zum Vater. Die Mutter ist inzwischen gestorben. Nun leben sie glücklich und leiden keinen Hunger mehr.

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