Gleich und gleich

… gesellt sich gern.
Das habe ich früher des Öfteren gehört und auch meinen Kindern gebe ich diese Binsenweisheit gerne weiter.
Meistens fiel dieser Satz an einem launigen Abend nachdem der/die ein oder andere ein wenig zu oft ins Glas mit alkoholischen Getränken geschaut hat. Und ja, das Gegenüber sollte sich doch dazu setzen und ebenfalls diese Handlungen – also Hand an Glas mit schwummrig im Kopf machendem Getränk legen und dieses dann in den Körper kippen. Gut, Kindern sollten wir solche Weisheiten zu anderen Gelegenheiten weitergeben.

Aber darum geht‘s jetzt nicht.

Es geht um Parität. In dieser Woche wurde das Gesetz zur paritätischen Zusammensetzung im thüringischen Parlament gekippt – die Klage hatte ausgerechnet die AfD eingereicht und hatte tatsächlich Erfolg damit. Alleine schon die pure Existenz dieser „Partei“ ist eine Frechheit, dass nun aber auch Gerichte Entscheidungen nach dem Duktus dieser … ich hab gar keine Worte dafür… treffen, ist ein herber Rückschlag und ein sehr schlechtes Zeichen. Ein sehr schlechtes Zeichen vor allem für uns, die sich für eine moderne, offene Gesellschaft für alle Menschen egal welchen Geschlechts einsetzen. Sei mal dahin gestellt, dass es Verfahrensfehler und/oder Fehler in der Gesetzgebung allgemein und/oder im Speziellen gab. Die Sichtbarkeit ist hier ausschlaggebend.
Dieses Thema ist so immens, dass es keines Rückschlages bedarf.

Dieses Thema… ja, welches.

Parität. Die Gleichstellung von Mann und Frau – jeder Mensch beides Geschlechts (und ja, ich weiß, dass es noch viel mehr Geschlechter gibt) zu gleichen Teilen in machtvollen Positionen. Dass dies auch im Jahr 2020 Zukunftsmusik ist, zeigt doch das Urteil. Ich gehe stark davon aus, dass diejenigen, die das Urteil gesprochen haben, zu etwa 0 Prozent aus Frauen bestehen. Wie eben auch die Kläger.

„Übersehene und mitgemeinte“ Frauen ohne wirkliche Hand- und Teilhabe an gesellschaftspolitischen Entscheidungen sind Gift für eine diverse Gesellschaftskultur. Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren – unsere immer schneller werdende technologische als auch humane Entwicklung nimmt keine Rücksicht mehr auf die Ewiggestrigen. Und hier kommen vor allem Frauen ins Spiel. Wir, die wir schon seit soooo verdammt langer Zeit für das Bisschen, was sich GRUNDRECHTE nennt, kämpfen, haben genug Expertise um auch hier gewinnbringend einzugreifen.

Ich frage mich tatsächlich, was wir denn noch alles tun müssen, damit gesamtgesellschaftlich eine breite Akzeptanz, dass Frauen auch kluge, mutige Entscheidungen treffen können, entsteht. Und dann fällt‘s mir wieder ein: es ist das stereotype Bild, das jedem Menschen und sei sie/er noch so jung, ins Stammhirn graviert wird. Mädchen mögen Einhörner und sind Prinzessinnen, eh klar – beide Gestalten entstammen einer nicht real existenten Vorstellung und suggerieren das Gegenteil von Wahrheit. Und da nun mal jeder Mensch an Wahrheiten interessiert ist, werden eben diese Figuren nicht ernst genommen. Ritter aber – wie sie ja jeder Junge zu sein hat – gab‘s schon im Mittelalter und die haben damals mit allem, was sie so hatten, für Ehre und „Vaterland“ gekämpft, gesiegt und am Ende gab‘s dann die Prinzessin als verdienten Lohn – ob die das nun wollte oder nicht… bla bla bla

Junge Frauen, die einen adäquaten Schulabschluss haben und dabei sind, eine berufliche Laufbahn anzustreben, vertreten die Meinung, absolut gleichberechtigt zu sein – so lauten die aktuellen Aussagen namhafter Studien. Aber: diese besagten jungen Frauen lassen sich mal eben auf der Rolltreppe unter den Rock filmen, erhalten ungefragt Penisbilder ohne nennenswerte Strafverfolgung, haben Probleme mit ihrer Oberweite (weil die meistens zu klein ist) oder dem Bauch (weil der meistens zu dick ist), haben eh Probleme mit dem gesamten Äußeren, streben hier eine Schönheitsoperation an und haben allen Ernstes im miesesten Klatschblatt über die besten Möglichkeiten gelesen ihren Boyfriend gewinnbringend oral oder anal zu befriedigen.
All diese Schilderungen zeigen in erster Linie erstmal auf, dass Frauen dazu auf der Welt sind, um Männern und/oder dem kapitalistischen System zu gefallen.

Ich werde des Öfteren gefragt, ob ich einen Freund habe. Und es immer so, dass ich sofort in der Gunst des Gegenübers unter die Gefriergrenze sinke, wenn ich diese Frage mit nein beantworte. Sage ich aber ja, dann steige ich gesellschaftlich zu einer Person auf, die etwas mehr Wert ist. Jetzt mal im Ernst – ist eine Beziehung zu einem Mann ein Richtwert für meinen gesellschaftlichen Stellenwert?! Ich denke nicht. Immerhin bin ich auch ein Mensch und ich will verdammt nochmal als solcher behandelt werden.

Warum lassen wir uns diese Ungleichbehandlung gefallen?!
Weil wir – Frauen – mit vielen anderen Dingen beschäftigt sind, die sich alte weiße Männer so ausgedacht haben, um uns möglichst lange zu beschäftigen, damit sie immer schön weitermachen können, so wie es immer getan haben. Denn das ist ja des alten weißen Mannes Lieblingsspiel – immer so weitermachen, wie immer und auf ewig. Amen.
Und wenn das nicht so klappt, dann sieht es am Ende eh immer so aus, als wären die Anderen Schuld. Und die Anderen, das sind dann Marginalisierte – also auch Frauen. Und vor allem Frauen.

Nee – nix da. Lasst uns doch einfach mal zusammenhalten und gucken, wie wir eine breite Mehrheit bilden, um diesen miesen und mit Abstand nicht intelligenten Männer-Seilschaften sowohl Einhalt gebieten als auch mal Widerstand liefern. Ohne schlechtes Gewissen, ohne hinterher komplett zerstört sein und alleine auf weiter Flur.
Prinzipiell ist das echt einfach.
Durchsetzen müssten wir es halt. Und durchhalten.

Aber dann wird es allen Menschen, die sich nicht zur Riege „alter weißer Männer“ zugehörig fühlen, einfach besser gehen. Denke ich.

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