Let´s talk about Sex

Ich geb´s zu. Ich hab´s krachen lassen.

Bis zu meiner Ehe und auch während der Trennung und nach der Scheidung habe ich, gemessen an meiner Vorstellungskraft, was so möglich ist, mit sehr sehr vielen Menschen geschlafen. Hatte Sex. Hab gevögelt und mich durchvögeln lassen.

Die genaue Zahl meiner Geschlechtspartner*innen weiß ich nicht – ist (mir) auch egal. Ich vermute, die Zahl ist etwa niedrig 3stellig.

Was soll das eigentlich heißen? Was soll diese Zahl auch ausdrücken? 

Nichts – genau. Rein gar nichts.

Sie sagt weder etwas über mich als Menschen noch über meine lebensnotwendigen Quali- und Quantitäten aus.

Eine genaue Benennung dessen UND der gleichzeitige Stolz darauf, das Rumprahlen oder andersherum das Herausreden, was es genau mit der Zahl auf sich hat, wäre auch nur wieder ein Schritt in typisch maskulin konnotierte Verhaltensweisen, die ich mittlerweile echt zum Kotzen finde.

Fangen wir mal beim Urschleim an: 

Menschen wird, sobald sie eine gewisse Geschlechtsreife erlangen, von nicht nur unbedingt gefragter Seite wärmstens an Herz gelegt, doch sexuell so aktiv wie nur irgend möglich zu sein. Das wirke sich positiv auf das Allgemeinbefinden aus – hätte ja auch die ein oder andere gesundheitliche Prävention.

Dabei spielt natürlich die heteronormative Sicht eine große Rolle. Und Verallgemeinerungen.

Jungs dürfen so viel Sex haben wie sie wollen – weil sie doch so viel Testosteron in sich haben und das raus MUSS. Sie dürfen ihre Umgebung mit Erzählungen ihrer Erlebnisse beglücken. Sie dürfen und müssen ja sogar!

Mädchen müssen natürlich immer sexy und fuckable as much sein. Der Akt an sich sollte dann doch aber bitte eher im Stillen vollzogen werden. Nicht, dass das fragile maskuline Testosteron von einer Vielzahl an weiteren Hormonquellen abgeschreckt wird. Und sie sollen gefälligst froh sein, den geheiligten Samen irgendeines Typen in sich aufnehmen zu dürfen. Das soll glücklich machen – wurde mir mal weissagt.

Und so gehen sie dahin, die jungen Jahre von Menschen.

Irgendwann kommt dann auch mal ein heteronormativer Narzisst auf die Idee einer Frau sagen zu müssen, dass sie ja nur als wirklicher Mensch gelte, wenn sie nun auch Kinder kriegt. 

Und nun frage ich: was ist dafür zu tun?! Richtig – Sex. 

Ein ewiger Kreislauf.

Gut, genug vom Urschleim…

Ich möchte auf was ganz anderes hinaus.

In meinen Reisen durch das überwiegend männliche Segment der Fortpflanzung ist mir 1 Exemplar maskuliner Herkunft besonders im Gedächtnis geblieben.

Kennengelernt habe ich ihn auf einer Casual Dating Online-Plattform. Ich kannte die Plattform aus meiner beruflichen Vergangenheit und so ging ich mit einigem Respekt ohne überbordende Erwartungen an die Sache und nahm vieles, was mir dort begegnete, nicht so ernst.

Grundsätzlich bin ich mittlerweile mehr als überzeugt davon, dass ebensolche Plattformen – wenn sie richtig genutzt werden würden – das leidige Thema der Prostitution (die es auch meiner Sicht überhaupt nicht geben dürfte!) von ganz alleine erledigen.

“Und worauf stehst Du so?” war die meistgestellte Frage. Ich dachte mir dann immer neue Antworten aus, die manch Einer dann doch wirklich albern fand und so trennt Frau schnell die Spreu vom Weizen.

Ich hab immer gedacht, während ich so n billigen Porno, ausgedacht von Herren mittleren Alters gespickt mit den schönsten Umschreibungen der weiblichen und männlichen Geschlechtsteile, las, was dieser Typ nun gerade macht. Copy // Paste? Fand der das so geil, dass er da nun alleine fast nackig vor seinem mobilen Endgerät sitzt, die Hand fest im Schritt und sich einen runterholt?! Oder wartet der lieber meine Antwort ab und holt sich dann einen runter?! Jedenfalls wird das Resultat immer das Gleiche gewesen sein.

Aufgefallen war mir dort besonders dieser eine Herr mit unglaublich blauen Augen, im Tumult der etwa 80% Herren mittleren Alters und 20% Frauen respektive elektronischer Unterstützungsdienste weiblicher Scheinart, die diesen Herren eben diese Scheine in monetärer Form aus der Tasche ziehen sollen.

Er war stolz auf seinen Vornamen und brachte diesen gleich in Verbindung zu einer “literarischen Pornoreihe”, die von einer Amerikanerin verfasst wurde und medial nicht unentdeckt blieb. 

Gut, das hätte mir schon zu Denken geben dürfen. 

Er verzichtete auf die üblichen Fragen nach meinen sexuellen Vorlieben als Einstiegsfrage und auch sonst gab er mir das Gefühl sich für mich als Menschen/Frau zu interessieren. Er fragte unter anderem nach meinem Getränkevorlieben – Whisky. Wir verabredeten uns in einem Hotel. Er brachte einen schwarzen Rollkoffer mit. Und meinen Lieblingswhisky. 

Diesen Rollkoffer hatte er bei den darauffolgenden Treffen immer dabei. Ich fragte ihn nach mehreren Monaten mal nach dem Inhalt. Später werde ich es erfahren – war die Antwort.

Ich lernte seine Freunde und Familie kennen – er ist Vater einer erwachsenen Tochter – er lernte eines meiner Kinder kennen. Wir verbrachten Feiertage miteinander, reisten viel und unterstützten uns beruflich.

Wir führten sehr intensive Gespräche, vor allem nach intensiven sexuellen Begegnungen. Da war ich dann seine Fickschlampe. Und er meine – drunter machte er nicht.

Irgendwann haute er mir mal währenddessen mit der flachen Hand auf meinen Po.

Der Abdruck war noch 3 Tage später zu erkennen.

Nach dieser Erfahrung brachte er den schwarzen Rollkoffer in den Keller seiner Wohnung und er ward meinerseits nie wieder gesehen.

Unsere alltäglichen gemeinsamen Erlebnisse wurden seinerseits stets mit einem sexuellen Hintergrund untermauert. Es war das Banalste ever – ich stieg aus seinem Auto (einem 270.000€ teuren schwarzen Geschoss) und schon wollte mich jeder Mann auf dem Parkplatz flachlegen. Bestenfalls natürlich auf der Motorhaube. Bei einem Abendessen mit meinen Freund*innen kam seinerseits direkt nach der Begrüßung die Frage nach dem Sexleben. Da war sogar ich mal sprachlos. Mein feministisches Engagement wurde zwar im Grundsatz geteilt, jedoch gab es lebhafte Diskussionen auch über unsere Vorstellungen bezüglich Prostitution – “das älteste Business der Welt und die Frauen solten doch froh sein”

… würg! 

Er war sicherlich geschmeichelt das Interesse einer fast 20 Jahre jüngeren Frau erlangt zu haben. (Obwohl ich mir nicht vorstellen kann, dass ich da nun die Erste in der Liga war.) 

Und stolz darauf, diese Liga an seiner Seite zeigen zu dürfen. Mit seinem finanziellen Einsatz entwickelte ich mich zu jemandem, die ich nie sein wollte, genoss es aber trotzdem. Der Begriff des Sugar Daddys kam mir oft in den Sinn. Diesen Gedanken wischte ich schnell weg. Passte er nicht – im Nachhinein betrachtet war es das. Und nichts anderes.

Ich habe das Glück nicht ganz hässlich zu sein. Und doof bin ich auch nicht. Jedoch bin ich der Meinung, ich wäre gerne lieber noch viel intelligenter, gemessen an den kleinen widerlichen Alltagssexismen, die mir so begegnen. 

Er war beeindruckt von meiner Intelligenz. Das wiederum beeindruckte mich. Lange nicht wurde ich so intensiv wahrgenommen. Mit allem, was ich halt so mitbringe. Meines Erachtens ist das das Mindeste, was Frau so mitbringen sollte. (Aber scheinbar gibt´s da Unterschiede.)

Eines schönen Tages eröffnete er mir, dass wir mal reden müssten. Ich hatte nach einer längeren Phase des nicht-mit-ihm-beisammen-Seins eh das Gefühl, dass ich nun sehr gut ohne ihn auskomme. Er bestand auf ein Treffen und ich ließ mich breit schlagen (haha). Auf diesem Treffen eröffnete er mir den Inhalt seines schwarzen Rollkoffers und der Dinge, die man damit so anstellen könne.

Frauen, die diesen inhaltlichen Werkzeugen ausgesetzt werden (und es laut ihm auch brauchen und vor allem wollen), können entweder eine Woche lang nicht sitzen oder müssen vollständig bekleidet außer Haus, damit die geneigte Umwelt nichts von den blutigen Hinterlassenschaften der sexuellen Begegnungen mit ihm mitbekommt.

Er quält also Frauen – selbstverständlich wollen die das. Immer.

Es ist ja nicht so, dass ich das nicht vorher schon ahnte. Das Ausmaß dessen war mir nur niemals in den Sinn gekommen.

Ich habe Fragen:

Warum erzählt er mir das? 

Einer Feminstin, die sich für Frauenrechte einsetzt?!

Warum unterstellt er mir, dass ich andere sexuelle Neigungen nicht akzeptiere?!

Das darf er. Gerne. Also diese Unterstellung äußern.

Aber!

Ihr könnt mir sagen, was ihr wollt.

Frauen (Männer oder wer auch immer) möchten nicht und niemals gewollt bis zur Besinnungslosigkeit gequält werden, um eine sexuelle Stimulation zu erhalten oder um überhaupt etwas derartiges zu fühlen. 

Da ist schon vorher – im Prozess des Erwachsenwerdens – richtig viel schief gelaufen. Und so war es ja auch. Er selbst bestätigte es mir: die Frauen, die seine Vorlieben teilten oder teilen werden, eigne(t)en sich niemals als Partnerin im dem Verständnis, was ich ihm gab und wir im Gefühl hatten.

Auf der anderen Seite geht´s nicht anders.

So findet er natürlich immer eine Willige, die er quälen darf. Mit einem guten Gefühl – weil sie das ja braucht.

Und so finden sich 2 Menschen, quälen sich gegenseitig (denn ich bin überzeugt davon, dass er im Grunde aufgrund seiner Menschlichkeit und liebenswürdiger Auffassung eine Partnerschaft zu führen) und denken nicht mal im Traum daran etwas zu hinterfragen oder ändern.

Und gesellschaftlich gesehen wird diese Gangart so miteinander umzugehen, auch noch legitimiert. 

Es gibt unzählige Bücher zum Thema… von den medial erreichbaren Texten gar nicht zu reden.

Diese krankhafte Übersexualisierung – Frauen sollen von der großen Zehe bis zur Schädeldecke mit allen Mitteln der Kunst bloß niemals unsexy sein – Männer sollen bitte immer eine starke Ausstrahlung im Sinne der Potenz an den Tag legen, um ernst genommen zu werden – ist nur noch ekelhaft.

Und ekelhaft anstrengend.

Mal ehrlich – wer hält denn das aus?!

Die Themen, die Frauen zu diesem Thema begleiten, würden hier alles sprengen.

Schlussbemerkung:

Wenn mir der x-te Typ beim kurzen Halt an der Ampel auf dem Rad seinen Willen zur Kopulation unterbreitet, macht der das doch nicht, weil es gerade möglich ist.

Warum also dann?

Vermutlich weil er leider noch niemals darüber nachgedacht hat, dass es grundsätzlich egal sein sollte, was er so an maskuliner Kraft mit sich bringt und das zählt, was ihn als echten und wahrhaftigen Menschen ausmacht.

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