Update: Corona

Wir schreiben das Jahr 2020 nach – was auch immer sich da Christen dämliches ausgedacht haben – und ich sitze in häuslicher Quarantäne.

Mit 3 Kindern unter 10 Jahren auf weniger als 10qm pro Person in einer Wohnung (mit Balkon) in einer Mehrfamilienhaussiedlung inmitten der teuersten Stadt Deutschlands.

Diese weniger als 50qm großen Räumlichkeiten sind noch nicht mal das gewohnte und rechtlich offiziell anerkannte Umfeld der Kinder. 

Da ich, als Mutter, nun mal darin lebe (das ist MEIN Zuhause), sind sie auch da. Es ist Umgang. Der Vater der Kinder ist froh, sich sich darum kümmern zu müssen. Und laut Umgangsregelung sollten wir da tunlichst das auch so zu akzeptieren und darauf verzichten, Änderungen vom Plan anzustreben.

Ja, man(n) könnte nun sagen: Selber Schuld – hätteste Dir mal an Haus mit Garten (aus)gesucht. Und überhaupt: Umgang! Als Mutter! Pff….

Und Planänderung: klar halte ich mich an die Pläne. Nichts anderes möchte ich ja auch vom Gegenüber – dem Vater der Kinder. Dem unerschütterlichen Status quo ever.

Spielen wir mal eine Szenerie durch (Zufälligkeiten wie persönlich erlebte Ereignisse der letzten Tage sind rein – wie gesagt – zufällig):

Montag, Tag 1 Umgangsbeginn: 

Herbstferien. Pünktlich ab 8 Uhr (und keine Sekunde später) bin ich wie verabredet und abgesegnet von unserer Mediatorin (die sich redlich um uns müht) für die Kinder zuständig. Ein Kind ist im Hort, eins in der Kita und eins hat bis auf Montag eigentlich auch Hort. Also hole ich besagtes Kind aus dessen Zuhause ab. Zuständig bin ich nun. Alle Betreuungseinrichtungen sind sehr weit von meinem Zuhause entfernt, der Weg dahin ist lang – aber eben örtlich nahe dem Zuhause der Kinder.

Just, als wir zu 2., etwa 10 km entfernt, U-Bahn-Fahrt mit Verspätung, gefühlt also 3 Stunden später, bei mir zu Hause ankamen, klingelte mein Telefon. Der Hort des anderen Kindes bat darum mein Kind umgehend zu holen, da er nun offiziell Kontaktperson 1 einer corona-infizierten Kontaktperson ist. Alle in Quarantäne. Schriftlich bestätigt.

Sofort.

Meine Antwort: Ich könne nicht sofort – dauert ein bisschen aufgrund der Entfernung. ÄÄhääm…

Also darf ich nachträglich dem Vater dankbar sein, dass er sich außerhalb seiner Zuständigkeit doch nochmals darum bemüht hat, das offiziell nun hochakut aus der Gesellschaft zu entfernende Kind abzuholen.

Übergabe vor Ort, dem Zuhause der Kinder. Das andere Kind war ja eh da, musste wieder mit mir mit. Das 3. Kind wurde nach großer Erklärung – warme Worte inklusive – aus der Kita geholt. Ich hätte es ja am Nachmittag abholen müssen – dazu hätte ich wiederum 10 km mit der U-Bahn fahren dürfen. Mach ich gerne – aber was tue ich in dieser Zeit nur mit einem minderjährigen Kind, das sich ab sofort in häuslicher Quarantäne befindet und das Haus nicht mehr verlassen darf?!

Dienstag, Tag 2 Unmöglich:

Ja, nichts nämlich. Das Kind ist in Quarantäne. Aber nicht die dazugehörigen Familienmitglieder. Ich darf arbeiten gehen und der Rest macht auch sonst so alles, was so ansteht. 

Ich fasse das mal zusammen: um meine nicht als K1 (Kontaktperson 1) identifizierten Kinder in die Betreuungseinrichtungen zu bringen, um dann von 9 to 5 dem Kapital zu dienen, lasse ich ein minderjähriges Kind bei mir.

Alleine.

Bitte. Mach ich. Ich hab´s ja immerhin schriftlich – vom Gesundheitsamt.

Tag 3/4 Kopfschütteln:

Das Leben geht weiter. Ich darf ja raus. Ich gehe laufen – und erreiche Bestzeiten. Meine Herzfrequenz ist nur sehr hoch. Alles rot… in der Statistik. Kein Wunder. Ich könnte platzen vor Wut. Und renne um mein Leben – nur nicht weg. (Das ist und war das Hauptargument des Vaters der Kinder vor sämtlichen Institutionen, um mich zu diffamieren.)

Ich erhalte gute Ratschläge, was man so tun könnte – mit Kindern in Quarantäne. 3 sind´s – 1 davon ist nur richtig eingesperrt. 

Mal abgesehen davon, dass ich, selbst ich wollte, alleine schon aus Fürsorge vor dem Schutz und den Folgen meiner Umgebung (und ich echt mittlerweile der Meinung, ich bin hier echt die Einzige, die das Thema ernst nimmt) kein anderes Kind unter andere Menschen geben würde, Niemanden diesem Risiko aussetze, ist mir auch mein Karma einfach zu heilig.

Aber was zähle ich schon.

Ich möchte gerne Sport machen, basteln, bauen etc – in einem Wohnzimmer und mit diversen Youtube-Videos –  zu 4 – wir haben dafür ca. 2 qm zur Verfügung. 

Wir haben schlicht KEINEN Platz dafür! Verflucht!

Wir bekommen einen Termin zur Testung. Im örtlichen Testzentrum. Ein Zelt inmitten eines Ortes, wo sich sonst in herbstlicher Stimmung Menschen aus aller Welt Unmengen an Alkohol hinter die Binde kippen. Dieses Zelt hat einen sog. Drive-In: Menschen in Auto´s mit laufendem Motor lassen sich Stäbchen in die Kehle einführen – Test erledigt – hoffentlich negativ.

Die Mitarbeitenden dort sind Kälte, Zugluft und Kohlenmonoxid ausgesetzt – ich gehe davon aus, dass diese Umgebung eher tödlicher als das Virus ist.

Tag 5 Müde: 

Die Kinder schlafen wie Steine. Ich auch. Wir kommen zur Ruhe – ist ja eh nichts zu tun. Bis auf die Internetleitung leersaugen. Ja, meine Kinder schauen mittels diversen Devices in die Welt hinaus – kommt klar damit.

Vielleicht brauchen wir das alles – und das Schlafen. Beim Schlafen bin ich nicht so wütend.

… in was zur Hölle für einer Welt leben wir eigentlich?!

Ein offizielles Schreiben erklärt mir, dass ja nur mein minderjähriges Kind von der häuslichen Quarantäne betroffen ist. Schön!

Die Mediatorin, die zwischen mir und dem Vater der Kinder „vermittelt“, verliert sich in warmen Worten, wie wichtig die Einhaltung von festen Regelungen beim Umgang etc. ist. Schön!

Ist denn hier eigentlich niemand in der Lage angemessen aufgrund besonderer Situationen Entscheidungen auch außerhalb des erstmal Ertragbaren zu tätigen?! 

Wie weit sind wir denn als Menschen schon gekommen? Oder anders: wie tief gefallen? Wie unfähig?

Von mir wird permanent verlangt alles nicht schwarz oder weiß zu sehen – weil, ist ja alles grau.

Boah – dann macht´s doch selber – verdammt.

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