Du bist so hässlich – Part II

Die Kolumne von Mely Kiyak vom 11.11.2020: Es bist so hässlich gerade, dieses Land (https://www.zeit.de/kultur/2020-11/demonstration-pegida-pogromnacht-erlaubnis-9-november-corona-leugner-hakenkreuz) erinnert mich daran, dass ich ja auch diese Gedanken kürzlich niederschrieb und ehrlich – ich würde mich niemals mit einer ZEIT-Kolumnistin vergleichen, dazu finde ich ihre Texte einfach zu großartig und vielfältig – aber es macht mich glücklich ebenfalls in diese Richtung gedacht zu haben.

Es ist wirklich hässlich gerade und ich frage mich warum.

Warum haben wir das Gefühl, dass es so ist?

Warum fühlen wir uns in dieser Tatsache immer und immer wieder bestätigt?

Warum scheint dem so zu sein?

Warum ist dem so? 

Warum???

Keine Ahnung.

Was heißt denn hässlich eigentlich?

Fange ich mal bei mir an: Wenn ich manchmal in den Spiegel schaue, fühle ich mich auch hässlich. Dann guckt mich da so n undefinierbares Dings an – meistens ist das zu den Zeitpunkten, an denen ich menstruiere.

Ich habe mir aber, schon alleine im Gedanken an die Erziehung meiner Kinder, auf die Fahne geschrieben, niemand Anderen grundsätzlich hässlich zu finden. Sofern – ja – sofern der/die nicht irgendwas ganz hässliches tut. Und genau das passiert ja auf besagten Demonstrationen. Warum machen die das da? Finden die das schön? Und: warum darf ich das nicht schön finden?

So unmöglich unfassbar?

Weil es schlicht für liebende Menschen, die sowohl Liebe erfahren als auch geben, einfach unvorstellbar ist.

Dieser unvorstellbare Hass dieser hässlichen ungeliebten Menschen. Eingefangen ins Bild. Geteilt. Für die Ewigkeit konserviert. Und das Schlimme: bestätigt. Denn all diese hässlichen Menschen fühlen sich in dem, was sie da tun, auch noch bestätigt.

In ihrem egomanen Verhalten.

In ihrem ständigen: ICH ICH ICH – UND ICH !!!

Liegt es daran, dass diese Menschen aufgrund der sozialen Distanz, die uns pandemiebedingt aufgezwungen wurde und wird, den Bezug, die empathische Zugewandtheit zu anderen Menschen verloren und so ein Ventil gefunden haben?

War das überhaupt mal da?

Warum bin ich einen anderen Weg gegangen? Warum hasse ich nicht so ekelhaft öffentlich? Ich könnte das doch auch. Zusammen mit diesem ganzen vor Hass triefenden Mob.

Sind wir wie Mely Kiyak schreibt, so lieblos und treten andere Bedürfnisse mit Füßen und denken nur noch an UNS UNS UNS, weil uns einfach keiner in den Arm nimmt gerade?

Haben Nazis keine Mama?

Warum reagiert meine Freundin, die das Infektionsschutzgesetz sehr ernst nimmt und seit März 2020 niemanden mehr umarmt hat, nicht mit Menschenverachtung?

Weil wir Menschen sind. Wir sind alle anders – wir reagieren alle anders.

Weil wir (die Guten) eine Mama haben, die uns liebt. Und wenn die uns dort sehen könnte, in diesem brauen Mob, brüllend mit stark geweiteten Augen und blind vor Hetze und Egomanie – die würde uns…. in  den Arm nehmen und fragen: was SIE denn nur falsch gemacht hat. Denn ihr geht´s nicht um sich.

So würde ich es zumindest machen, wenn ich eins meiner Kinder dort so sehen würde.

Und auch wenn das zu einseitig wirkt, hier kann nur noch von gut gegen böse gesprochen werden. Wir leben in einem Jahr, das jeden Science-Fiction-Kracher inkl. komplett unvorhersehbaren bescheuerten Wendungen, längst in den Schatten gestellt hat. Also: hässlich gegen schön.

Eine Frage ist dazu noch: Finden sich Nazi´s schön? Dürfen die das?

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