was bleibt

So kurz vor Weihnachten scheinen die Menschen ja mit Zwang diese alljährliche Besinnlichkeit herbei zu sehnen.

Nach diesem Jahr! 

Was bleibt?

Was bleibt denn an verinnerlichten Erlebnissen?

An Erfahrungen?

An Mensch-das-lief-aber-so-semi-das-mache-ich-besser → nächstes Jahr!

Was bleibt an Geschichten, die dann den Weihnachtsabend füllen – sofern jemand da ist, der überhaupt zuhört.

Was bleibt?

Diese innere Zerrissenheit – am heiligen Abend die Familie sehen zu wollen, wohl wissend, dass es unter Umständen das letzte Weihnachten zusammen sein kann. Und/Oder die Erkenntnis, dass wir schon immer mit allerlei Seuchen zu kämpfen hatten, diese nie ernst genug nahmen und jedes verdammte Jahr unser Leben und das unserer Familie auf Spiel setzten.

Nur – jetzt ist es so real. Und tut weh. Genau da, wo es noch nie so weh tat.

Was bleibt?

Das Gefühl der Macht- und Nutzlosigkeit, weil wir ja keine Lobby haben und daheim im Home-Office mit gleichzeitiger Kinderbetreuung und Home Schooling das Beste aus dieser jämmerlichen Situation machen. Und ein Ende ist nicht in Sicht.

Wir lächeln unsere Kinder an, wenn diese sagen, dass sie lieber in die Schule gehen möchten und bei Stoßlüftung frieren als unaufgeklärt und vor allem in chaotischen Zuständen zwischen Tablet, Fernseher und Kochtopf Hausaufgaben zu machen. Denn nichts anderes ist es für unsere Kinder – Hausaufgaben.

Und mal ehrlich, ihr habt die alle niemals gerne gemacht. (Und wenn hier jetzt eine*r kommt und sagt: doch, ICH! – der/dem haue ich entweder eins IN oder AUF die blöde Fresse.)

Und: Sobald wir etwas über unsere jämmerliche Situation sagen – klar machen, dass wir zwar alleine und überfordert sind und uns eigentlich nur jemanden wünschen, die/der uns über den Kopf streichelt und sagt: ja, ich weiß. Mir geht´s auch so. Und weißt Du was? Das geht vorbei. Bald werden wir drüber lachen. Und wir sind dann stärker.

Aber NEIN – es kommt: Ja, selbst schuld. Was haste denn diese Blagen in die Welt gesetzt? Hätteste Dir ja mal vorher denken können, dass Kinder auch Betreuung brauchen!!!111!!! Jaa… jetzt jammern, weil die Brut um Dich herum ganztags bespaßt werden muss…

Was bleibt?

Diese inneren Kämpfe – gut gegen böse.

Bin ich böse, wenn ich all diesen unsäglich ekelhaften Menschen, die mir solche eben gelesenen Sachen sagen oder die Reichsbürger*innen blind und blöd hinterherlaufen, auch mal was richtig Fieses, das zudem noch körperlich wirklich weh tut, wünsche?!

Das fatale Signal ist ja, dass den Sorgen von querdenkenden Faschist*innen, Nazis, (Sieg)Heilpraktiker*innen mehr mediale Aufmerksamkeit und politisches Gehör gewidmet wird als beispielsweise Eltern im Home-Office/Schooling/Kinderbetreu-ing. Denn auch bei Faschist*innen spielen ja Kinder eine große Rolle – die braucht man ja als Schutzschild auf Demo´s in erster Reihe. Aber wehe wenn Kinder Lieder über ihre Großeltern medial aufgearbeitet singen… dann ist wieder was los.

Und dann hört man wieder dieses mimimi.

Und genau das ist das Ekelhafteste an Allem – dieses Rumgeheule hinterher, weil man auf seine eigene Widerwärtigkeit hingewiesen wird.

Was bleibt?

DAS bleibt:

Frust

Enttäuschung

Wut

Aber auch:

Überraschung

Mut

und

Hoffnung (vor allem, dass all diese Widerlichkeit einfach mal still ist und sich dahin verkriecht, wo sie hingehört – die AfD und Friedrich Merz übrigens auch)

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