Part I – Sexismus

“Wir leben in einer durch und durch sexistischen und rassistischen Gesellschaft- in der es nur darum geht, durch Unterdrückung, Ausbeutung und Diskriminierung Privilegien für wenige Einzelne (ein Großteil davon “weiße” Männer) zu erhalten und anzuhäufen.”

Da ich nun Deine geschätzte Aufmerksamkeit habe, weil Dir entweder das Kleinhirn implodiert oder ich ein zustimmendes Nicken ernte, während Du vor einem elektronischen Endgerät sitzt – dieser Satz ist nicht von mir.

Ich unterschreibe diesen jedoch vorbehaltlos.

Im ersten Teil behandle ich rein subjektiv das Thema Sexismus:

Derzeit verbringe ich meine Zeit mit Lesen – viel lesen. Und ich lese ausschließlich Bücher von Frauen* – ich sage Dir, da ist eine Menge nachzuholen, denn entgegen der maskulin geprägten landläufigen Meinung gibt es durchaus eine Menge Frauen*, die was zu sagen haben. 

Und stell Dir vor – die können auch schreiben! 

Und was für großartige Werke dabei herauskommen, stellt sich derzeit fest: 

“Sexismus” von Susan Arndt ist meine eigens auserkorene Bibel.

Ich bin Atheistin, habe nebenbei bemerkt dieses eben betitelte Werk “Bibel” – dieses unsägliche Werk von misogynen Kinderschändern* tatsächlich mal komplett durchgelesen und kann bis heute nicht glauben, dass es nur 3 nennenswerte Frauen*, neben zig tausenden Toten in die über 1.000 Seiten Menschenverachtung geschafft haben.

Sexismus prägt unsere Gesellschaft seit vielen Jahrtausenden – sei es durch geschichtsvergessene Umdeutung von Menschen, die das System aus Unterdrückung, Ausbeutung und Diskriminierung unbedingt aufrecht erhalten wollen. 

Und wer sind diese Menschen – richtig, Männer. Die sich durch die Zuschreibung “weiß” und eine entsprechende Definition ein Herrschaftssystem herbei gebastelt haben, das wir als Gesellschaft sehr lange (mit)getragen und legitimiert haben.

Mir sind diese Sätze eigentlich zu kryptisch. Ich fange mal ein Gedankenspiel an:

Es handelt sich ja um “weiße” Männer*, die dieses perfide System des Sexismus gegründet haben und täglich (aus)leben. Diese Typen sind meistens verheiratet und haben selbstredend daheim 1 adrette Dame als (Haus)Frau und Töchter (wenn´s schief ging mit der “Büchsenmacherei”) …

Und nun sitzt Friedrich am Tisch – es ist Zeit für´s Abendbrot. Es gibt Stulle mit Wurst (aus Friedrichs Firma). Und Kartoffelsalat mit Speck (schmeckt ja sonst nicht).

Er hat einen Stammplatz, sein stoffbezogener Stuhl ist bereits abgeschrubbelt und eingedrückt.

Barbara sitzt neben ihm – auch sie hat einen Stammplatz.

Die aus Rumanien stammende Putzkraft ist eben aus der Tür – so schön, wie sie das immer macht. Die Messer glänzen. Dafür müsste Friedrich eigentlich n bisschen mehr zahlen, aber solange die nicht fragt…. selber Schuld.

Die 25jährige Tochter, nennen wir sie mal Heike, ist zu Besuch. Sie ist ausgezogen, als sie ihr erstes eigenes Geld verdiente. Aus ihrem Kinderzimmer wurde im Moment des Auszuges das 2. Schlafzimmer kreiert – weil der Friedrich doch so schnarcht.

Friedrich erzählt grade davon, dass es heute wieder eine Beförderung gab. Thomas, 35 Jahre – der hat sich durchgesetzt gegen eine andere ebenfalls fast gleichaltrige und ja, auch sehr qualifizierte, Mitbewerberin – weil der ja demnächst nicht schwanger wird. HAHA – wisst ihr, was mich das kostet?! So ´ne Schwangere?! Und sobald die das 1. Kind hat, will die ja gleich das Nächste und dann muss ich über 5 Jahre eine Stelle freihalten, weil die immer nur an sich denkt. Und dann sind die Blagen ja auch immer krank und das meistens mitten im Weihnachtsgeschäft… ach egal.

Barbara nickt zustimmend – sie kennt das ja von damals. Sie hat seit 25 Jahren nicht mehr gearbeitet und schluckt nun den Kartoffelsalat runter.

Heike berichtet davon, dass sie eine Gehaltserhöhung bekommen hat. Weil sie ihren Vorgesetzten*, der ihr sagte, sie solle doch beim nächsten Kund*innengespräch ihre transparente Bluse tragen, wegen sexueller Belästigung beim nächst höheren Chef* angezeigt hat. Von den 10% mehr in der Tasche hat sie sich ein schickes Cabrio gekauft. Ihr ehemaliger Vorgesetzter* bekam eine andere Stelle – halt 2 Gehaltsstufen höher als vorher- aber was willste machen?! Gab nix anderes, was man dem anbieten konnte.

Heike ist auch sehr stolz darauf, dass sie sich bis heute bewusst und in immer gleichem Tenor gegen dieses “Wann ist es denn bei Dir soweit mit Kindern???!!!” mit einem “gar nicht” behaupten konnte und bezeichnet sich als Feministin*.

Nachdem Friedrich und Barbara ihre Tochter mit wehenden Haaren im Cabrio davonfahren sehen, ist es auch schon Zeit für die Erfüllung der ehelichen Pflichten.

Barbara liegt wie immer unten und starrt die Zimmerdecke an.

… anderes Beispiel:

2 Männer*, die nur durch Heirat (nein, NICHT miteinander – wo kommen wir denn da hin?!) zusammen kamen, stehen an einem heißen Sommertag in einer Einfahrt des kürzlich fertig gestellten Eigenheimes des Einen. Nachdem dieser einen rassistischen Witz über gelbe Säcke und Bürger*innen der größten Weltwirtschaftmacht zum Besten gab, gucken beide auf die Pfeiler, die demnächst die Hofeinfahrt begrenzen werden. 

“Das ist doch viel zu schmal! Überleg mal, Julia* (Name geändert) fährt da mit dem Auto rein – da haste gleich Kratzer im Lack. Frauen können doch eh nicht Auto fahren.”

Dieses Schauspiel, deren unfreiwillige Zuschauerin* ich wurde, ereignete sich in einem kleinen Ort in einem Land, das seit knapp über 30 Jahren eine Demokratie und vorher eine Diktatur als Regierungssystem hatte.

Aus eigenen sehr bitteren Erfahrungen heraus kann ich heute behaupten, dass ich zu keiner Zeit sonst mit so einem krassen, unmissverständlichen, subtilen und offen ausgelebten Sexismus zu kämpfen habe/hatte wie in meiner doch sehr geliebten Heimat, dem Osten der Republik.

Was mich zu einer Überlegung brachte – damit möchte ich diese Zeilen enden lassen:

Das Rollenverständnis von Frauen* im Osten war selbstbewusster geprägt – klar, es gab zum Aufbau des Sozialismus ja kaum Männer – die waren in Russland und/oder tot. Also gestand Mann* den Frauen* das bisschen Vertrauen zu, einen “wichtigen Teil” dazu beitragen zu können. 

Bis… nun ja, bis halt auch der Letzte mit Traumata ungeahnten Ausmaßes aus Russland kam und solange auf die Hinterbliebenen* einprügelte, bis halt gemacht wurde, was Vati sagt.

Frauen* waren aber im Vergleich selbstbewusster als ihre Geschlechtsgenossinnen* vor/hinter der Mauer und fanden Mittel und Wege sich zur Wehr zu setzen, in erster Linie verbal – was natürlich im Umkehrschluss wiederum auf die unbegrenzte Wut von Männern* traf – ein Teufelskreis.

Und so sprechen sie bis heute misogyn und sexistisch ohne dass es Eine* juckt.

Ende.

PS: Du solltest dieses Buch lesen! Die Autorin* ist ebenfalls eine gebürtige Ostdeutsche* und schildert wie noch Niemand zuvor sehr anschaulich all die Erfahrungen mit Sexismus (nicht nur im Osten), die auch ich in fast exakt der Konstellation gemacht habe… das ist bedrückend, niederschmetternd und befreiend zugleich

PPS Buchtipp: https://www.chbeck.de/arndt-sexismus/product/31054442

PPSS: und nun stell Dir mal vor, im kleinen Gedankenexperiment hätten Mohamed, Gülseren und Mercedes die Hauptrollen gespielt. Du denkst – das geht nicht?! Tja, das ist Rassismus. Darum geht´s im nächsten Text (demnächst)

PPPSS nächster Tipp: BR-Podcast JAZZ&POLITIK (am 10.4.21 fiel übrigens der eingangs zitierte Satz)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s