N kühlen Kopf bewahren

Das ist in der heutigen Zeit doch mehr als angebracht.

Und das ist nun eine eher miese Überleitung zu meinem Thema heute: Foron

Was is´n das? Wirst Du Dich fragen.

Ich erzähle hier nun eine ostdeutsche Erfolgsgeschichte, die leider tragisch endet – wie so alles, sobald westdeutsche Investoren zur Wendezeit ihre widerlichen Griffel an Produkte aus der ehemaligen DDR gelegt haben.

Leset nun die Tragikkomödie:

Es begab sich im Jahre 1887 im beschaulichen sächsischen Ort Schwarzenberg die Gründung  der sog. “Kraußwerke Schwarzenberg”. 1902 gelang Krauß eine Erfindung, die für die Firma den weltweiten Durchbruch bedeutete: die erste Dampf-Waschmaschine der Welt in Ganzmetallausführung. Innerhalb der nächsten vier Jahre verkaufte sich dieser handbetriebene und kohlebeheizte Urtyp „System Krauß“ über 80.000-mal. In den darauf folgenden Jahren wuchs das Unternehmen zu einem der führenden metallverarbeitenden Betriebe heran. Ein weiterer weltweiter Erfolg wurde die Ganzmetallwaschmaschine „Turna“, die im Jahre 1935 auf den Markt kam und wahlweise mit Gas, Kohle oder auch elektrisch beheizt werden konnte. 1937 wurde mit der Produktion von Kleinkühlgeräten eine Marktlücke in Deutschland geschlossen, nachdem 1933 der erste Kühlschrank mit eingebautem Kältesatz entwickelt wurde.

Yo – und wie so viele Biografien in Deutschland hat auch diese hier eine Lücke bis 1945 – ich frage mich warum wohl……

Nach der deutschen Wiedervereinigung übernahm die sog. Treuhandanstalt in Berlin die offiziellen Geschäfte und führte die Unternehmen in der Nachfolgefirma Foron zusammen. Greenpeace und dem Dortmunder Hygiene Institut ist es zu verdanken, dass 1992 der weltweit erste FCKW- und FKW-freie Kühlschrank entstand. Als Kältemittel verwendete man die sogenannte Dortmunder Mischung aus Gasen wie insbesondere Butan und Propan. Im Gegensatz zu FCKW sind diese nicht ozonschädlich. Weit weniger als die damals als Ersatz propagierten FKW tragen sie zur Klimaerwärmung bei. 

Anfangs wurde das Kühlverfahren von namhaften Konkurrenten (Miele, Bosch-Siemens Hausgeräte BSH) als gefährlich und ineffizient dargestellt, um eigene Geräte mit dem stark klimaschädlichen Kältemittel R134a am Markt zu platzieren. Binnen vier Wochen gingen 65.000 Vorbestellungen für den „Greenfreeze“ ein. Die Treuhand, die bereits die Liquidation geplant hatte, nahm nun davon Abstand. 540 Arbeitsplätze blieben so erhalten. 

In der Zwischenzeit wurde die neue Technologie von den meisten Herstellern übernommen und ist Standard bei umweltfreundlichen Kühlgeräten. Allerdings profitierte Foron kaum von der Erfindung, da auf eine Patentierung verzichtet wurde. Dies entsprach der Absprache mit Greenpeace, denen es darauf ankam, die Technologie möglichst weit zu verbreiten.*

So, nun ist aber Schluss mit der Märchenstunde.

Ich glaube, es ist nicht im Geringsten klar, was hier passiert ist. 

Was hier so schön umschrieben wird, ist der Inbegriff dessen, was nicht nur vielen anderen ostdeutschen Produktionsgenossenschaften sondern eben auch den dafür arbeitenden Menschen passiert ist.

Die systematische und strukturelle Abwertung von Produkten und Menschen aufgrund von eigener persönlicher und wirtschaftlicher Unzulänglichkeit, einem damals für ostdeutsche Verhältnisse unbekannten Konkurrenzdenken, einem unnachgiebigen Machtmissbrauch und das Ausnutzen von scheinbarer Marktregelung, das/die es so hätte nicht geben dürfen. 

Foron steht für kein anderes Unternehmen für die Ungerechtigkeit der Wendezeit. Geknechtet inmitten von wirtschaftlichen Interessen, Verlogenheit, Machtmissbrauch und Skrupellosigkeit. Wenn der Markt regelt – am Arsch!

Und hinterher wird sich hingestellt als wäre das alles nichts gewesen – war es doch eh nur blöder Ostschrott ohne Wert. 

Das stimmt aber nicht – das war eines der erfolgreichsten Unternehmen, das die Wendezeit gut überstanden hätte, hätten da nicht die Nazinachkommenschaften in der Treuhand und namhafte Lobbyverbände (hallo – BSH und Miele: schämt ihr euch nicht???)  alles dafür getan aus dieser Erfolgsgeschichte eine Tragikkomödie zu machen. 

Mit welchem Recht eigentlich?

Ach ja – die Ostdeutschen wollten ja die Wende. Die blühenden Landschaften, die D-Mark! Genau – vor allem die D-Mark.

Ey – ganz ehrlich. Ich hätte auf euer beklopptes Geld echt verzichtet, wenn auch nur Eine*r von euch uns Ostdeutsche und das was wir geschaffen haben mal ehrlich und ernsthaft angenommen hätte und wir Lösungswege auf Augenhöhe entwickelt hätten.

Dann hätten wir heute vielleicht nicht so n Problem mit Menschen, die sich allen Ernstes christliche Werte auf die Agenda schreiben und Nazi-Propaganda betreiben. Übrigens im Nachbarland des Ursprunges von Foron. 

Foron steht heute in meiner Küche und ich bin stolz darauf einen Kühlschrank mit dieser Marke mein Eigen zu nennen, wohl wissend, dass ich nur in meinem Kopf dieses Erbe weitertrage.  

*Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Foron (15:33 Uhr, am 6.7.21)

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