Selbstliebe

Ich liebe mich jetzt.

Weil ich mir vertraue.

Weil ich eine Verbindung zu mir habe.

Weil ich Vertrauen in mich habe.

Weil ich mir loyal gegenüber stehe.

Weil ich glühendes, glitzerndes und aus mir heraus leuchtendes Vorbild für meine Kids sein will.

Weil ich durch sie erst erfahren habe, wo die Grundlage für wahre und bedingungslose Liebe ist.

Weil Herzen nicht verhandelbar sind.

Weil ich dieses Grundvertrauen, meine Loyalität und die Verbindung zu mir als Kind doch hatte.

Und dann war es weg.

Verloren gegangen.

Einfach so.

Warum – fragst Du?

Warum frag ich: hat mich niemand vorher mal gefragt, wo das alles hin ist?

Und mir geholfen “es” zu suchen und dann zu finden??

Ganz einfach: weil unsere Gesellschaftsstruktur darauf aufgebaut ist, dass sich vor allem Frauen* nicht lieben, vertrauen und mit sich verbinden dürfen.

Sie dürfen: sich selbst aufgeben, eigene Sehnsüchte verleugnen und sich grundsätzlich mal selbst misstrauen.

Mit ihnen stimmt nämlich was nicht.

Und schon gar nicht, wenn sie sich selbst lieben, vertrauen und loyal gegenüberstehen. 

Das ist nicht weiblich, sagt das Patriarchat.

Und es grüßt an dieser Stelle ganz herzlich alle guten – selbstlosen – ehrenwerten Frauen. 

Das sind die Inbegriffe der Weiblichkeit.

Und um gut, selbstlos und ehrenwert zu sein, muss man(n) halt gut gucken, dass da auch bloß nix schief geht… also: Kontrolle, denn ein gesundes Misstrauen ist ja wichtig.

Dieses Misstrauen gegenüber Frauen* ist strukturell in unsere Köpfe gepflanzt.

Es beginnt damit, dass Mädchen leiser zu sprechen haben, weil laute Stimmen zu viel und viel zu piepsig sind.

Sie dürfen weniger oder am besten gar keine Taschen an ihren Klamotten haben – ach was, nur hautenge Kleider und Skinny Jeans für 3 Jährige – damit sie sich bloß nicht zu viel bewegen können.

Ihnen werden in Märchen weissagt, dass der böse Wolf kommt und die Großmutter frisst, WEIL sie den rechten Weg verlassen hat. (Und die Geschichte mit dem Apfel wiederhole ich an dieser Stelle lieber nicht.)

Ihnen wird zum 5. Geburtstag Lippenstift und Nagellack geschenkt – in leuchtendem Rot und Rosa.

Ihnen wird gesagt, dass sie nicht so viel essen dürfen, weil das ja dick macht.

Ihnen wird später gesagt, dass sie einen viel zu kurzen Rock anhatten und viel zu leichtsinnig gewesen sind, alleine durch einen Park zu gehen.

Ihnen wird der Alkoholkonsum auf Parties untersagt, da sie dann ja viel zu enthemmt auftreten könnten – was sehr gefährlich werden kann.

Ihnen wird immer zu und ständig der eigene natürliche Zustand – nämlich einfach eine Frau* zu sein – abgesprochen.

Weil wir immer zu misstrauisch sein müssen.

Aus diesem Grund hangeln wir uns irgendwie an den uns gegebenen Strukturen herum.

Bis wir endlich unsere Erfüllung finden – mit einem Mann, der Sperma produziert und uns somit eine echte Lebensgrundlage liefert.

Und dann sind wir Mutter.

Endlich natürlich. 

Natürlich Mutter.

Denn nur eine Frau* = Mensch mit Uterus, die diesen auch gewinnbringend zu nutzen weiß, ist eine gute Frau. Warum hat sie den denn sonst?

Über die Mutterschaft (ob es sie nun gibt oder nicht) können Frauen* noch besser kontrolliert werden.

Endlich bleibt sie daheim – die Kinder, der Haushalt, der ganze Workload drumherum – ist doch so wichtig und muss erfüllt werden, damit ihm genug Zeit bleibt und Nerven erspart werden, den finanziellen Teil des Ganzen beizutragen.

Daheim – 4 Wände. Das reicht für eine Frau* als Kontrollorgan.

Immerhin muss sie sich ja nicht mal Gedanken über die Bezahlung dieser 4 Wände machen.

Und damit ist sie verschwunden.

Nein – sie ist soooo selbstlos.

Erzähl mir, was Du willst, aber das macht nicht glücklich.

Das kann es gar nicht – in nicht einer Zeile meiner kleinen Geschichte hier steckt Liebe.

Aus diesem Grund liebe ich mich jetzt.

Ich bin frei. Zart und frei.

Ich liebe mich jetzt.

Weil ich mir vertraue.

Weil ich eine Verbindung zu mir habe.

Weil ich Vertrauen in mich habe.

Weil ich mir loyal gegenüber stehe.

Weil Herzen nicht verhandelbar sind.

Weil wir endlich mal ganze Massen an zarten, freien und unkontrollierbaren Frauen* brauchen.

*Info zu Geschlechtsidentität und sexuelle Identität:

weiblich/Mädchen/Frauen* = weiblich gelesene Menschen mit/ohne Uterus, die sich hier direkt angesprochen fühlen oder denen erstmal diese Identität zugesprochen wird

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